Interview mit Anja Uelhoff

Hallo Frau Uelhoff, bitte stellen Sie sich kurz vor

Mein Name ist Anja Uelhoff und ich bin Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht mit Hauptsitz in Hamburg und einer Zweigniederlassung in München. Weiterer Schwerpukt der Kanzlei ist das Erbrecht.

Daneben halte ich u.a. Vorträge, bin Prüferin im 2. Juristischen Staatsexamen und bin im Vorstand der Working Moms.

Wo findet man Sie im Internet?

Am Besten finden Sie mich auf meiner Webseite: kanzleiuelhoff.de

Wie war Ihr Weg in die Selbständigkeit?

Nach meinem Jura-Studium war ich 2 Jahre als angestellte Anwältin in Celle tätig. Anschließend folgten 12 Jahre im Kreditbereich einer Großbank in Hannover und Hamburg.

2007 zog es mich dann in die Selbständigkeit und ich wurde Partnerin einer Kanzlei mit 12 KollegInnen. Der Wunsch nach Eigenständigkeit ging aber noch weiter und so bin ich seit 2012 als Einzelanwältin aktiv. Im Jahr 2011 wurde ich – als dritte Frau in Hamburg – Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht.

Ein Brennpunkt bei Ihnen ist das Thema Unternehmertestament. Haben Sie 3 Tipps, wie man Fehler vermeidet?

Da ist meine absolute Nr. 1: „Wissen, was man will“: Steht der Vermögenserhalt innerhalb der Familie bzw. deren Versorgung im Vordergrund oder die steuerliche Optimierung ?

  1. Nicht minder wichtiger Tipp: „Kein Halbwissen aus dem Internet!“ Laien fehlt der Überblick, auch bei eingehender Recherche.
  2. Achten Sie darauf, dass Ihr letzter Wille nicht mit dem Gesellschaftsvertrag Ihres Unternehmens kollidiert.
Was sollte jeder zum Thema Erbrecht beachten?

Da habe ich 5 kurze Tipps:

  1. Im Falle einer kinderlosen Ehe, erbt in den meisten Fällen im Todesfall des Ehemanns nicht automatisch die Frau alles, sondern je nach Güterstand nur zum Teil. Es sind nämlich auch z.B. die Eltern, Geschwister, ggf. Großeltern erbberechtigt. Verjährung tritt oft erst 30 Jahre nach Todesfall ein.
  1. Ein mit PC verfasstes Testament ist formunwirksam und damit ungültig! Ein Testament muss (wenn es nicht notariell erstellt wird) zwingend handschriftlich verfasst und unterschrieben sein. Nicht zwingend, aber Sollvorschrift sind Orts- und Datumangabe. Das Datum ist wichtig, damit Ergänzungen klar in die zeitliche Reihenfolge eingeordnet werden können. Andernfalls riskiert man ggfs. teure Rechtsstreitigkeiten, um zu klären, was Gültigkeit hat.
  1. Bei Minderjährigen sollte immer ein Testamentsvollstrecker bestimmt sein, da ansonsten im Erbfall u.U. für die Erbabwicklung ein Verfahrenspfleger vom Familiengericht erfolgen muss und das gegebenenfalls sehr unangenehme Folgen haben kann.
  1. In Deutschland kann nichts an seinen Hund, Katze, Pferd oder sonstiges Haustier vererbt werden – in den USA zum Beispiel schon. Es ist aber der Umweg über den Erben möglich, dem man die Auflage macht, das Haustier zu versorgen und zu pflegen.
  1. Oft hört man, dass die Erbschaftsteuer die Erben über Gebühr belastet. In Wirklichkeit ist das oft nicht der Fall, denn oft werden die Freibeträge zumindest bei Ehegatten (500.000,00 €) und Kindern (je 400.000,00 €) nicht überschritten und es fällt keinerlei Erbschaftsteuer an! 
Gibt es Besonderheiten, je nach dem ob eine Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft betroffen ist?

 Ja – bei der Kapitalgesellschaft werden „nur“ die Anteile am Unternehmen vererbt, bei Personengesellschaften das „gesamte Unternehmen“, also z.B. auch die Verbindlichkeiten.

Wichtig ist außerdem, was für den Todesfall im Gesellschaftsvertrag vereinbart ist. Stirbt ein Gesellschafter einer Personengesellschaft und es ist nichts gesondert geregelt, wird die Firma automatisch beendet, was zu eklatanten Steuer- und Liquiditätsnachteilen führen kann.

Es gibt aber zum Beispiel auch Regelungen, wonach nur Blutsverwandte des Gründers Firmennachfolger werden können. Hier ist die Frage, was im Falle einer Scheidung gelten soll oder wenn aufgrund gesetzlicher Erbfolge der Ehegatte, der ja nicht blutsverwandt ist, Anteile erbt. Da ist ein Testament sehr wichtig, um Klarheit zu schaffen und sich widersprechende Rechtsfolgen auszuschließen.

Klarheit kann man z.B. durch eine sogenannte Teilungsanordnung im Testament schaffen, indem beispielsweise Firmenanteile, Haus und Depot getrennt bestimmten Personen zugesprochen werden.

Ein Testamentsvollstrecker macht z.B. dann Sinn, wenn Frau und Kinder nicht in der Firma sind. So ist eine Fortführung der Firma ohne Überforderung der Angehörigen möglich.

Berufsträger wie zum Beispiel Rechtsanwälte und Steuerberater haben ein Sonderproblem. Hier muss nämlich ein Nachfolger vorhanden sein, der ebenfalls Berufsträger ist, ansonsten ist eine Fortführung nicht möglich.

Wird das sogenannte Berliner Testament noch häufig verwendet? Empfehlen Sie es?

Verwendet wird es noch häufig.

Meiner Meinung nach ist das Berliner Testament jedoch suboptimal, denn dadurch, dass die Ehegatten sich gegenseitig zu (vollständigen) Alleinerben einsetzen und die gemeinsamen Kinder erst als Schlusserben, gehen gegebenenfalls Steuerfreibeträge verloren. Ohne ein Testament erbt der überlebende Elternteil z.B. die Hälfte und zwei Kinder zu je ¼ (abhängig vom Güterstandder Eheleute und der Anzahl der Kinder)

Ist ein Ehegatte erst einmal tot, ist es wegen der Bindungswirkung kompliziert, dass Berliner Testament noch zu ändern. Verstirbt ein Ehegatte zum Beispiel sehr früh mit 40 Jahren, liegt vor dem überlebenden Partner noch ein ganzes Leben, er kann aber über sein Vermögen erbrechtlich nicht mehr frei entscheiden. Diese Lösung ist also sehr unflexibel.

Unabhängig davon bin ich ein Fan von Schenkungen „von warmer Hand“! Also zu Lebzeiten Geld und sonstige Werte weiterzugeben. Da ist sowohl emotional als auch steuerlich sinnvoll! Denn alle 10 Jahre können die Freibeträge neu ausgenutzt werden.

Haben Sie spezielle Tipps für Patchwork-Familien?

In einem solchen Fall ist es sehr wichtig, dass ein Testament da ist. Lebt einer der Partner mit den (fremden) Kindern, erbt das Stiefkind nicht, wenn es nicht ausdrücklich im Testament zum (Mit-)Erben gemacht wird. Sind sie testamentarische Erben, erhalten Stiefkinder (meist) Freibeträge wie leibliche Kinder.

Bei Paaren, die nicht verheiratet sind, hat der überlebende Partner kein gesetzliches Erbrecht, auch wenn die Partnerschaft 50 Jahre gedauert haben sollte. Ist er/sie testamentarischer Erbe, hat er nur einen Freibetrag von 20.000,00 Euro. Jeder Cent darüber ist mit einem Steuersatz von 30% zu versteuern.

Kompliziert wird es z.B., wenn einer der Partner Vermögen hat, und es nach der Scheidung einen neuen Partner gibt und dann der vermögende Partner verstirbt. Dann bekommt nämlich der ehemalige Partner das Sorgerecht für die Kinder und verwaltet das Vermögen.

Unverheiratet zusammenzuleben kann also in einem solchen Fall sehr komplizierte Folgen haben, die mittels Testament bzw. anwaltlicher Beratung im Vorhinein erkannt und ausgeschlossen werden sollten.

Zum Ende meiner Interviews frage ich gerne nach dem Lieblings – Social-Media-Kanal – was würden Sie da aktuell nennen?

Sehr gerne mag ich zur Zeit Instagram, Facebook und Twitter. Folgen Sie mir gerne dort.

Vielen Dank für das spannende Gespräch, Frau Uelhoff!

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